Der Traum

Es sind jetzt schon 13 Monde seither vergangen. Es geschah zu dieser Zeit, wenn es immer kälter wird, der Winter mit seinem Frost sich ankündigt und alles im Äusseren zur Ruhe kommt und schläft, jedoch der Blick nach innen gerichtet ist. Denn da bereiten sich die Samen des Neuen zum Wachsen vor… Unter einer scheinbar toten, weissen Decke… Kurz darauf kam der erste Schnee. In jener kalten, klaren Nacht des Nebelmondes kam dieser Traum zu mir. Er war uns endlich die Erklärung für alles, was Eldor und ich bis dahin gespürt und gesehen hatten:

"Es begab sich vor unendlich langer Zeit, als die Welt noch in den samtenen Mantel der Nacht gehüllt war, nur beschienen vom sanften Licht der Sterne und bewohnt von nur einem Volk, den unsterblichen, weisen und zauberkundigen Eldali.
Die Zeit währte ewig und die Welt war vollkommen und traumhaft. Da stieg in diesen Wesen ein bis dahin ihnen unbekanntes Gefühl auf, das der Langen Weile. Um sich also diese zu vertreiben, erschufen sie ein Spiel mit einer ganzen dazugehörigen Welt:
Es hiess "Mensch sein". Mit der Fähigkeit der Gestaltwandlung konnten sie beliebig hin und herwechseln zwischen der gewählten Menschengestalt und ihrer wahren Eldalinatur. Jeder von ihnen wusste jederzeit, an welchen Orten in der geformten Menschenwelt die Pforten zum Eldalireich waren…bis eines Tages etwas begann, was keiner von ihnen jemals gedacht hatte. Es begann langsam, immer mehr Eldali vergassen ihre wahre Gestalt, es wurden immer mehr, bis sie sich sogar der Existenz ihrer eigenen Welt nicht mehr erinnerten!

Mit der Zeit waren es nur noch Wenige, die verzweifelt gegen das Vergessen ankämpften. Sie entdeckten, in der immer kälter und trostloser werdenden Menschenwelt, dass es verbitterte Kräfte gab, die das Vergessen vorantrieben…

Während des Kampfes gegen das Vergessen begegneten sich zwei, die sofort erkannten, dass sie etwas Untrennbares verband und sie dieselbe Bestimmung hatten. Doch in den Wirren und dem grauen Menschenlabyrinth wurden sie während einer Schlacht auseinandergerissen und verloren sich für Jahrhunderte aus den Augen. Doch gerade als der Kampf fast verloren schien und die älteste und weiseste Eldali, die Hoffnungsträgerin, tödlich verwundet im Sterben lag, umgeben von den letzten Wissenden, erkannten sich die beiden Liebenden wieder. Mit ihrem letzten Atemzug weissagte die alte Eldali, dass es nun die Aufgabe dieser Beiden sei, alle wieder an ihren Ursprung zu erinnern und dass sie es erreichen würden…

Der Traum endete damit, dass diese zwei eines der letzten Tore zur Eldaliwelt wiederfanden und die Verbitterung umwandeln konnten."